Die Niere muss man sich in Form und Aussehen wie eine rote Bohne vorstellen. Sie ist etwa Faustgroß, je nach Körpergröße des Menschen. Die Nieren liegen paarig neben der Wirbelsäule auf der Höhe der unteren Rippen. Mehrmals täglich durchläuft das menschliche Blut die „körpereigene Aufbereitungsanlage“ und so werden mehr als 1.500 Liter Flüssigkeit täglich gefiltert. Die Niere lässt sich in drei wesentliche Bestandteile untergliedern: die Nierenrinde, das Nierenmark und das Nierenbecken. Im Detail besteht sie aus zahlreichen kleinen Funktionseinheiten, den Nephronen. Sie setzen sich aus harnbildenden (Glomerulus) und harnableitenden (Tubuli) Strukturen zusammen.

Glomerulus: Dieses kleine Blutgefäß- und Nervenknäuel trennt Proteine und Zellen vom Blut. In dem daraus entstehenden Primärharn sind weitere wichtige, vom Körper verwertbare Stoffe sowie Flüssigkeit enthalten.

Tubuli: Diese werden in den Tubuli, einer Art Röhrchen, herausgefiltert und zurück ins Blut aufgenommen. Der verbleidende Rest wird als Endharn ausgeschieden.

Obwohl die Nieren als Paar im menschlichen Organismus angelegt sind, kann auch eine Niere allein als „Aufbereitungsanlage“ des Körpers funktionieren. Die Nieren übernehmen folgende Funktionen:

  • Regelung des Flüssigkeits-, Säure-Basen- und Elektrolythaushaltes
  • Entgiftung des Körpers
    Es erfolgt das Herausfiltern von Giftstoffen, Medikamentenresten und harnpflichtigen Substanzen, u. a. Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure aus dem Blut.
  • Regulation des Blutdrucks
    Dieser ist abhängig von Blutvolumen und Gefäßwiderstand, an deren Regelung u. a. das Hormon Renin, das in der Niere gebildet wird, beteiligt ist.
  • Aktiv im Knochenstoffwechsel
    Die Niere bildet das Vitamin D3, das es dem Körper ermöglicht, Kalzium über den Darm aufzunehmen und in die Knochen einzulagern.
  • Produktion des Hormons Erythropoietin
    Dieses regt die Bildung der roten Blutkörperchen an.


Nephrologie
Die Nephrologie (Nierenheilkunde) ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Es befasst sich mit der Diagnose und Therapie von Nieren- und Bluthochdruckerkrankungen. Die Nephrologie ist ein vielfältiges Aufgabengebiet in der Praxis. Hierzu gehören die Behandlung von Störungen der Blutentgiftung, des Flüssigkeits- oder des Säuren-Basen-Haushaltes oder von Folgeschäden des Diabetes mellitus sowie der Arteriosklerose. Ein wichtiger Baustein in der Therapie von Nierenerkrankungen sind Medikamente. Aber auch hiermit können Grenzen erreicht werden. Dann empfiehlt der Nephrologe in der Regel eine Dialysebehandlung oder eine Nieren-transplantation.
Bei jedem einzelnen Patienten ist es unser Ziel die Nierenfunktion soweit zu stabilisieren, dass eine Nierenersatztherapie wie die Dialyse so lange wie möglich hinausgezögert werden kann. Sollte diese dennoch notwendig werden, bereiten wir unsere Patienten sorgfältig darauf vor und wählen in enger Abstimmung mit dem behandelnden Team das individuell beste Verfahren. Falls gewünscht und möglich, bereiten wir unsere Patienten auch auf eine Nierentransplantation vor. Während des gesamten Behandlungsprozesses steht das Team beratend zu Seite.

Niereninsuffizienz
Nieren hören nur selten einfach auf zu arbeiten. In der Regel dauert es Monate oder sogar Jahre bis sie versagen. Hierfür steht der medizinische Fachterminus Niereninsuffizienz (Nierenversagen).
Ein Blutbild gibt Aufschluss über die Nierenfunktionen Es zeigt zum Beispiel, ob sich vermehrt harnpflichtige Substanzen wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin angesammelt haben. Im fortgeschrittenen Stadium ist auch die Regulation des Wasser,- Säure-Basen- und des Elektrolythaushaltes eingeschränkt. Ab dem Moment, ab dem die Niere nur noch 15 Prozent ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit hat, muss die Medizin mittels Nierenersatztherapie (Dialyse, Transplantation) eingreifen. Bei Diabetes mellitus wird ein früherer Einsatz empfohlen.? Der Zeitpunkt des Dialysebeginns und auch der Dialyseturnus hängt von vielen Kriterien ab und wird mit Ihnen und Ihren Angehörigen zusammen besprochen und entschieden.
Die Verläufe einer Nierenerkrankung sind sehr verschieden und davon abhängig, welcher Teil der Niere betroffen ist. In akuten Fällen tritt die Nierenfunktionsstörung plötzlich auf, während sich das chronische Nierenversagen langsam entwickelt. Wird die Erkrankung früh genug erkannt, kann das Fortschreiten gestoppt oder zumindest verlangsamt werden.

Nierentransplantation
Neben der Dialyse gibt es eine weitere Form der Nierenersatztherapie: die Transplantation. In diesem Fall wird eine neue Niere in den Körper verpflanzt. Das fremde Organ wird einem Spender entnommen, zeitnah in der Beckenhöhle platziert und sowohl an den Blutkreislauf wie auch an die Blase angeschlossen, um wieder alle lebenswichtigen Funktionen im Körper übernehmen zu können. Bevor es soweit ist, sind umfassende Voruntersuchungen und Behandlungen notwendig. So können Risiken minimiert und gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Operation geschaffen werden. Der wichtigste Schritt ist die Bestimmung der Blutgruppe und des Gewebetyps. Beide müssen mit der des Empfängers weitgehend übereinstimmen bzw. zumindest ähnlich sein, denn jeder Mensch hat einen ihm eigenen Gewebetypus mit individuellen Merkmalen.

Der Hintergrund:
Ihr Körper betrachtet das eingepflanzte Organ zuerst als "Fremdkörper" und leitet wie auch zur Bekämpfung von Krankheitserregern eine Immunreaktion ein, die sich gegen das Transplantat richtet. Im ungünstigsten Fall wird die Niere abgestoßen. Eine erneute Transplantation ist danach aber wieder möglich. Je stärker die genetischen Eigenschaften von Spender und Empfänger miteinander harmonieren, desto eher akzeptiert der Körper die neue Niere als natürlichen Bestandteil. Zusätzlich müssen Sie zeitlebens spezielle Medikamente einnehmen, welche die Reaktion Ihres Immunsystems dämpfen und damit auch die Möglichkeit einer Abstoßung des Organs reduzieren. Der Nachteil ist jedoch, dass damit auch die  Fähigkeit eingeschränkt ist, Infektionen wie eine Erkältung oder Entzündungen abzuwehren. Gerade diese Bedingungen und ein großer Mangel an Organspenden führen dazu, dass es oft lange dauert, bis ein passender Spender für Patienten gefunden ist. Zusammen mit anderen Patienten stehen Sie auf einer neutralen, länderübergreifenden Warteliste (Eurotransplant). Die Wartezeiten werden mithilfe der Dialyse überbrückt.

Unsere Empfehlung:
Sollten Sie auf eine Spenderniere warten, versuchen Sie Ihr Leben nicht allein auf darauf zu beschränken. Gestalten Sie Ihren Alltag im Kreis Ihrer Familie aktiv. Es ist sehr wichtig, dass Sie für die Operation fit bleiben, also weiterhin im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Sport treiben.?Wichtig ist auch, dass Sie jederzeit für die Transplantation bereit sind. Ist die Entscheidung dafür einmal gefallen, sollten Sie  alles für Ihren Krankenhausaufenthalt vorbereiten. Packen Sie eine Tasche mit den wichtigsten Utensilien (Checkliste) und schreiben Sie eine Adressliste, wer im Fall einer Operation informiert werden soll. Stellen Sie außerdem Ihre Medikamente zusammen.
Und vor allem: Seien Sie erreichbar. Oft passiert es ganz plötzlich und eine passende Niere ist für Sie gefunden. Dann muss es schnell gehen. Schaffen Sie sich ein Mobiltelefon an und hinterlassen Sie die Nummer in unserer Praxis.

  • Unser Team begleitet Sie in der gesamten Phase – auch nach der Transplantation. Haben Sie Fragen oder benötigen Sie Hilfe, dann kontaktieren Sie uns bitte jederzeit gern. Nutzen Sie auch die Angebote im Internet. Auf der Seite der Deutschen Stiftung Organtransplantation finden Sie viele interessante Informationen: www.dso.de